Unsere Freuden > „Elvis the King“ und sein nicht ganz unproblematischer Testosteronspiegel

Mit meinem Saanenbock Elvis habe ich derzeit im wahrsten Sinne des Wortes etwas zu „kämpfen“, denn bei mir als zwangsläufig selbsternanntem „Geburtenregler vom Kleinpaßlerhof“ haben die Decksaison und die Zuordnung der passenden Ziegen zum Bock meiner Wahl soeben begonnen. Leider vernebelt der überbordende Testosteronspiegel (ähnlich seinem zweibeinigen ehemaligen Rock’n’Roll-Legenden-Namensvetter aus Amerika … 😉) total das Bockgehirn und ich werde nicht mehr als „guter Futterbringer“, sondern als „böser Konkurrent“ von ihm gesehen.
Und wenn sich so ein Bock (gottseidank ohne Hörner als gefährliche Hieb- und Stichwaffen aus Wildtiertagen!) senkrecht vor dir aufstellt und auf dich hinunter zu stoßen versucht, dann kommt sein harter Schädel aus mindestens zweieinhalb Metern Höhe auf dich schmerzhaft niedergedonnert …

Da hilft dann nur ein rascher Sprung zur Seite, ein beherzter Griff in den dichten Bocksbart, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, und gleichzeitig ein Zudrehen des Halsbandes, um ihm etwas die Angriffslust abzuschnüren und um blaue Flecken am „Luxuskörper“ 😉 des Hirten fristgerecht zu vermeiden …!😜
Mir steigt da immer wieder das Bild eines Tiroler Ziegenzuchtkollegen vor dem inneren Auge auf, den sein Ziegenbock mit weit ausladenden „Hornkronen“ im beengten Raum eines Laufstalles in der Bauchregion regelrecht „aufgeschlitzt“ hat und der sich dann plötzlich in der Intensivstation des örtlichen Krankenhauses wiederfand … 😨
Aber zur „Ehrenrettung“ meines Bockes „Elvis the King“ 😁 ist zu sagen, dass er ansonsten auf der ganzjährigen Bockweide mit seinen männlichen Artgenossen ein relativ Braver ist, rasch auf seinen Namen bei Zuruf hört … und sich aber auch gut an Halsband und Leine außerhalb der Koppeln auf der Straße von mir führen lässt, sofern ich ihn mit Hosentaschen voll von „Leckerlies“ begleite!

Um weitere unliebsame Konfrontationen mit diesem potenten „Temperamentsbolzen“ zu vermeiden, wird er nun von mir vor Betreten der Deckkoppel an einen von außen zu beschickenden Trog gelockt und, sobald er seinen Kopf durch diese Öffnung gesteckt hat, dort mit einem drehbaren Sicherheitskarabiner und einem Strick angehängt.
Ich kann dann derweilen in Ruhe und gefahrlos seine Ziegendamen versorgen, die im Übrigen von seinem heftigen, aber für sie scheinbar extrem anziehend wirkenden „Bockgestanksdeo“ als arteigener „Maulharner mit zusätzlichen Kopfduftdrüsen“ restlos begeistert sind und dann meist innerhalb einer Woche alle zu hundert Prozent trächtig werden!
Spannend ist für mich als stillen, aber sehr interessierten Beobachter des Ziegenverhaltens auch die Tatsache, dass die Ziegenmädels von seinem heftigen und meist sehr ungestümen Werben derartig hingerissen zu sein scheinen, dass sie sich alle brunstmäßig innerhalb weniger Tage „synchronisieren“ und dann nahezu zur selben Zeit im Frühjahr mit Kitzen niederkommen.
Da Elvis ein reinerbig hornloser Bock ist, kommen von ihm stets hornlose Kitze auch von genetisch gehörnten (unter Vollnarkose vom Tierarzt als einwöchige Kitze enthornten) Muttertieren zur Welt.
Mit den besten biobergbäuerlichen Kleinpaßlerhofgrüßen aus der von Wölfen derzeit noch einigermaßen verschonten Steiermark,
euer Gerhard Maurer – Meckmeck🙋🐐
