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Wer sich jemals mit Ökologie beschäftigt hat, weiß, dass insbesondere die extensive Weidewirtschaft mit Schaffung und Pflege artenreicher Ökosysteme einen großen Beitrag zur Biodiversität liefert.
Grünland hat mehr Regenwürmer, Springschwänze und Fadenwürmer als Äcker, sowohl in Bezug auf die Artenanzahl als auch in Bezug auf die Individuenanzahl.
Während an nährstoffreichen Standorten meist wenige konkurrenzstarke Pflanzen dominieren, können auf Magerweiden konkurrenzschwächere Arten einen Zufluchtsort finden.
Die wichtigste Familie auf Grünland ist diejenige, die seit 30 Millionen Jahren eine Koevolution mit den Wiederkäuern hat: die Gräser (Poaceae). Etliche Grasarten gehören zu den Pflanzen mit den höchsten Futterwerten. Das auf Hochlandweiden verbreitete Borstgras (Nardus stricta) wird allerdings vom Vieh nur ausgerissen und nicht gefressen.
Bei einem floristischen Vergleich von Mähwiesen und Weiden überwiegen die Ähnlichkeiten. Allerdings kommen auf Mähwiesen viele Pflanzen nicht zum Blühen, in Abhängigkeit von den Mahdzeiten. Blütenbesucher wie Schmetterlinge und Wildbienen, aber auch Honigbienen (Apis mellifera) finden daher auf Weiden oft ein reicheres Angebot an Nektar und Pollen, wobei Wildbienen – mit Ausnahme der Hummeln – in der Regel auf wenige Pflanzenarten spezialisiert sind.


Auch Raupenfutterpflanzen sind auf Weiden und Mähwiesen zu finden. Darüber hinaus gibt es Schmetterlinge, die als Raupen auf Gehölzen leben und daher von einem Mosaik aus Hecken und Weiden profitieren.
Unter den Vögeln finden v. a. Bodenbrüter einen Platz auf Weiden zur Zeit, wo diese gerade nicht beweidet werden. Greifvögel suchen auf Weiden nach Beute, etwa Mäusebussarde nach Mäusen, Steinadler nach Murmeltieren.
Wilde Herbivoren wie Rehwild, Rotwild und Gamswild finden auf Weiden Möglichkeiten zum Äsen. In den Alpen profitieren insbesondere Murmeltiere von der Beweidung. Natürlich gehört auch der Mensch zu den Tieren, die durch Weiden Lebensraum finden, die Hirten als Arbeitsplatz, die Touristen als Erholungsraum.
Außer Pflanzen und Tieren sind auch manche Pilze auf Weiden zu finden, recht verbreitet ist der Parasolpilz (Macrolepiota procera). Bakterien und Archaeen findet man nur mit einem guten Mikroskop. Beide sind auch im Pansen der Wiederkäuer zu finden und ermöglichen ihnen die Verdauung der Zellulose.


Und natürlich gehört zur Biodiversität auch die Agrobiodiversität mit der Rassenvielfalt. Das genetische Potenzial der Extensivrassen bleibt am ehesten dank extensiver Weidehaltung erhalten.

Externe Links:
- Pastoralism Can Mitigate Biodiversity Loss on Global Rangelands (englisch)
- Cuando i pastori se ne vanno: il silenzioso ritorno del bosco (italienisch)
- Buch „Naturschutz auf dem Teller“
- Artikel „Ökosystem Alp“ (S. 50f)
- Milchtrinken ist Naturschutz (leider mit zwei boshaft verleumderischen Leserbriefen)

