Lebenshöfe enttarnen

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In der Sondersprache der Lebenshöfe ist solch eine altbewährte Symbiose von Mensch und Tier „Ausbeutung“

Es hat sich eingebürgert, dass diejenigen Gnadenhöfe, die ihre Tiere ausnutzen, um pauschale Hetzpropaganda gegen Nutztierhaltung zu verbreiten, sich wohlklingend als „Lebenshöfe“ bezeichnen. An der Nutztierhaltung gibt es viel Verbesserungsbedarf. Wer das anerkennt, sieht auch den Wert derjenigen Haltungsformen, die zukunftsweisend sind. Die Propaganda der Lebenshöfe indes fällt diesen Verbesserungsbemühungen in den Rücken.

Den industriellen Großbetrieben mit Intensivtierhaltung kann derartige Propaganda vermutlich nicht viel anhaben. Naturverbundene Betriebe, Biobetriebe und Hirten, die tierfreundliche und zukunftsfähige Alternativen hierzu bieten, können durch solche Propaganda eher an Ansehen verlieren. Da ziehen die Lebenshöfe also am selben Strang wie die industriellen Tierbetriebe, die das Bild vermitteln, Pastoralismus sei nicht mehr zeitgemäß.

Die Betreiber der Lebenshöfe betteln um Almosen und ernähren sich von dem, was wir anderen produzieren. Lebenshöfe sind eine Wohlstandserscheinung, die nur möglich ist, solange andere für die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs sorgen. In der arbeitsteiligen Gesellschaft brauchen wir selbstverständlich auch andere Tätigkeiten als Produktion (Krankenpflege, Müllabfuhr, Busfahren …) – da gibt es idealerweise gegenseitigen Respekt. In den Selbstpräsentationen der Lebenshöfe dagegen wird Nahrungserzeugung meist nur in negativem Zusammenhang erwähnt, obwohl natürlich alle, die nicht nur von Luft und Liebe leben, auf unsere Tätigkeiten in Ackerbau und Nutztierhaltung angewiesen sind.

Solche Tierquäler sind die Hirten: Sie lassen die Ziegen frei grasen! (Vorsicht: Hier könnte Ironie versteckt sein!)

Ein Lebenshof berichtet im Internet über „Neuigkeiten und Erfolge“, diese bestehen nur (!) aus eingetriebenen Spenden (Almosen). Wenn man sonst keine Erfolge vorzuweisen hat … Wir Hirten und Biobauern, die wir mit unserer Weidewirtschaft eine tierfreundliche und ökologisch wertvolle Alternative zu fragwürdigen Tierhaltungsformen bieten, haben es dank unserer Arbeit nicht nötig, Spenden zu erbetteln (obwohl das sicher um Welten lukrativer wäre als unsere Arbeit). Die Menschen bekommen bei uns für ihr Geld erstklassige Produkte – gratis dazu Erholungsgebiete mit artenreichen Biozönosen und glücklichen Weidetieren, stellenweise Lawinenschutz. Die Menschen, die die Natur lieben, lieben erfahrungsgemäß auch uns.

Oft lassen Lebenshöfe schwer kranke Tiere unnötig lange leiden, weil das auf die Tränendrüsen drückt und Spenden generiert, statt sie in Ruhe sterben zu lassen. Dürfen Tiere nur willenlose Aushängeschilder sein? Auch Bauern lassen manchmal einzelne Tiere am Leben, wenn sie keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr bringen; aber wenn sie nur noch leiden, lässt man sie doch nicht bewusst weiter leiden – vielleicht gar mit lebensverlängernden Medikamenten –, bis sie eines natürlichen Todes sterben! Einfühlsame Tierhalter sollten spüren, ob ein schwer krankes Tier noch Lebensfreude hat.

Wie gleichgültig den Betreibern die Bedürfnisse und das Leiden der ihnen ausgelieferten Tiere sind, zeigt sich in folgendem Benehmen: Viele Lebenshöfe verweigern den Hunden eine artgerechte omnivore Ernährung und zwingen ihnen zur Befriedigung eigener Bedürfnisse eine vegane Ernährung auf. So eine Machtdemonstration ist Missbrauch schutzbefohlener Tiere für das eigene Ego. Hier fehlt entschieden die Lernbereitschaft aus Jahrtausenden Erfahrung.

Wen wundert’s, dass Lebenshöfe kritische kompetente Stimmen zum Schweigen bringen wollen und man bei zu forschem Enttarnen mit einer Verleumdungsklage rechnen muss? (Zumindest von einem Lebenshof, der seinen seit Jahren bestehenden Nachbarschaftsstreit an die Öffentlichkeit trägt.) Lebenshöfe können austeilen, aber nicht einstecken. Für die Spenden benötigen sie das Image, sie würden besser mit Tieren umgehen als der erbärmliche Rest der Menschheit einschließlich der Hirten. Naiv ist die Auffassung, Lebenshöfe seien Oasen der Glückseligkeit in einer Welt voller böser Menschen. Tiere, die soziale Ersatzfunktion für Menschen übernehmen müssen, weil die Mitmenschen (wir alle) ja sooo böse sind, werden wahrscheinlich nicht tiergerecht behandelt.

Alpakas, die für Wolle genutzt (in der misanthropischen Sprache der Lebenshöfe „ausgebeutet“) werden, artgerecht gehalten im Gruppenverband

Nein, es ist kein Dienst für die Tiere, Tiere aller möglichen Arten zu horten, ohne sich vorher bei erfahrenen Haltern ausgiebig über jede einzelne Art (und eventuell die Rassen) zu informieren. Andere informieren sich lange aus verschiedenen Quellen, bevor sie Alpakas anschaffen, über deren artspezifische Bedürfnisse. Ein Lebenshof übernimmt einfach mal zu allen möglichen anderen Tieren ein Alpaka – nach einem YouTube-Video zu urteilen, als Einzeltier, also nicht artgerecht. Die Haltungsform erfüllt Bedürfnisse der Betreiber, nicht der Tiere. Herdentiere sind keine Schoßhündchen. Ihre Vermenschlichung geht an ihren realen Bedürfnissen vorbei.

Damit ein Lebenshof nicht nur den Betreibern, sondern auch den Tieren dient, wäre es wünschenswert, dass er von jenen Menschen lernt, die die Bedürfnisse der Tiere seit Jahrtausenden von Generation zu Generation weitergeben. Kommt es jemals vor, dass ein Lebenshof statt um Geld um Informationen bettelt? Kommt es jemals vor, dass ein Lebenshof Hirten um Rat fragt? Da Hirten ihren geliebten Tieren einen Nutzen, einen Wert zugestehen, sind sie in der hasserfüllten Sprache der Lebenshöfe „Ausbeuter“. Dass die Hirten ihr Leben und ihre Wanderrouten ganz an den Bedürfnissen der Tiere ausrichten, wissen sie nicht zu schätzen. Die meisten Menschen, denen man in der Natur begegnet, lieben die Hirten und ihre Tiere. Da könnten die Lebenshöfe eine Menge lernen, um ihr misanthropisches Weltbild zu überwinden.

Wer an Naturschutz interessiert ist, kennt dieses Buch mit Information, warum man Weideprodukte verwenden sollte, statt sie zu meiden, wie es die Lebenshöfe fordern – von naturverbundenen Menschen geschätzt, von Konsumbürgern bekämpft

Lebenshöfe sind auf kurzzeitigen Lustgewinn ausgerichtet, nicht auf Nachhaltigkeit. Sie leisten keinen Beitrag zur Erhaltung der Genressourcen in Jahrtausenden entstandener Haustiere und der in Jahrhunderten entstandenen Rassenvielfalt. Unsere Nachwelt und die der Tiere ziehen keinerlei Nutzen aus den Lebenshöfen. Das wäre akzeptabel, wenn Wertschätzung da wäre für diejenigen, deren Nutznießer sie sind: Die Tiere, ohne die die Lebenshöfe nichts wären, verdanken ihrerseits ihre Existenz mehrheitlich der Nutztierhaltung.

Die Selbstdarstellung der Lebenshöfe ist diejenige einer heilen Welt (wie sie nirgends existiert, nicht einmal im Hirtenwesen), um an Spendengelder zu kommen, als wären sie selbstlose Wohltäter der Tiere. Man mag das als verzeihliche Lüge ansehen, weil in der Werbung normal – es bleibt eine Lüge. Während Hirten den Wert ihrer tierischen Mitarbeiter kennen, erscheinen die Tiere in den Darstellungen der Lebenshöfe zu nutzlosen Kostgängern degradiert, denen nicht der gebührende Dank gezollt wird.

Zwar nicht explizit gelogen, aber bewusst irreführend und boshaft ist, dass Lebenshöfe Nutztierhaltung nur in negativem Kontext erwähnen, um das Feindbild Nutztierhalter zu verbreiten. Lebenshöfe sind Propagandaeinrichtungen gegen die Nutztierhaltung, damit auch gegen jede naturnahe Nahrungserzeugung. Wir Hirten haben das Recht, unser Metier gegen jede Pauschalisierung der Nutztierhaltung zu verteidigen. Auch die Betreiber der Lebenshöfe profitieren von Nutztierhaltung und Schlachtung. Der Veganismus ist zwar ein lukratives und oft äußerst aggressiv propagiertes Business, oft von denselben Unternehmen, die auch an zweifelhafter Tierhaltung verdienen. Doch die Erde reicht nicht, um die ganze Menschheit vegan zu ernähren und noch zusätzlich Futter für Tiere als nutzlose Wegwerfware anzubauen. Eine Trennlinie zwischen Ackerbau und Nutztierhaltung ist typisch für industrielle Produktion. In einer naturnahen und zukunftsfähigen Landwirtschaft hängt beides eng zusammen.

In pseudowissenschaftlichen Publikationen findet man oft Zahlen zu Tierprodukten, die Emissionen und Wasserverbrauch in Relation zum Ertrag setzen (als wären die Verhältnisse so einfach, als würde jedes Produkt isoliert erzeugt). Wollte man diese Relation auf Lebenshöfe anwenden, müsste man durch 0 dividieren. Das sollte ein Grund sein, zuerst die Lebenshöfe zu verbieten, bevor man die produktive Weidewirtschaft durch weitere Reglementierungen zugrunde richtet zugunsten einer Tierindustrie. Aber halt! Das muss nicht heißen, dass alle Gnadenhöfe geschlossen werden müssen. Solange sie sich um die tatsächlichen Bedürfnisse der Tiere kümmern und zukunftsträchtige Nutztierhaltung mit Respekt behandeln, können wir als Gesellschaft eine begrenzte Menge mittragen.

Da kann sich die Autoindustrie freuen: Lebenshöfe kämpfen gegen Pferdekutschen und lassen die Tiere nicht ihrer zuchtmäßigen Bestimmung nachkommen

Wie gleichgültig die realen Bedürfnisse der Tiere sind, zeigt sich in folgender Bevormundung: Eine Präsentation eines Lebenshofes ist in der Ich-Form aus der fiktiven Perspektive der Tiere geschrieben und mit den Namen der Tiere unterschrieben! Das ist natürlich eine Lüge, die Tiere haben das nicht geschrieben. Ob sie das denken, was ihnen von überheblichen, manipulatorischen Zweibeinern herrschsüchtig in den Mund gelegt wurde? Ob die Tiere wirklich froh sind, wenn sie ihrem zuchtmäßigen Lebenssinn entrissen und zur Untätigkeit verdammt werden? Diese Vereinnahmung der Tiere als willenlose Mittel zum Zweck ist widerlich. Sie appelliert ans Bambi-Syndrom, niemals an ein Einfühlungsvermögen für reale Tiere. Und dieses Bambi-Weltbild wird in demago-, äh, pädagogischen Veranstaltungen weiter gegeben, um unbedarfte junge (pubertierende?) Menschen auf Linie gegen die Nutztierhaltung zu bringen …

Externe Links:

Video: Lebenshöfe – blühendes Geschäft mit naiven Spendern

Video: Nette Veganer